Unterrichtsplanung

Auf dieser Seite werden die Grundbegriffe der Unterrichtsplanung beschrieben. Tatsächlich soll das Studium der Fachdidaktik Sie vor allem in die Lage versetzen, Unterricht zu planen und auszuwerten.

Planungsebenen

Unterrichtsplanung findet auf verschiedenen Ebenen statt. Diese sind (lt. Peterßen):

  • Bildungspolitische Programme
    Hierzu gehören die Veröffentlichungen der KMK, aber auch die regelmäßigen GI-Empfehlungen.
  • Lehrplan / Curriculum
    Die Rahmenlehrpläne werden vom LiSuM (Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg) verwaltet.
  • Jahresplan (Stoffplan)
    Im Jahresplan werden die groben Unterrichtsblöcke eingeteilt.
  • Arbeitsplan (Stoffverteilungsplan)
    Der Stoffverteilungsplan listet detailliert für jeden Unterrichtstag (zumindest) die Inhalte auf.
  • Unterrichtseinheit
    Die Unterrichtseinheit umfasst ein zusammenhängendes Gebiet, das über mehrere Unterrichtsstunden verteilt wird.
  • Unterrichtsentwurf
    Und ganz zum Schluss kommt der konkrete Unterrichtsentwurf, in dem die einzelne Stunde detailliert geplant wird.

Darüber hinaus sollten natürlich die einschlägigen Rechtsvorschriften beachtet werden. Für den Umgang mit Neuen Medien gelten darüber hinaus noch jede Menge Spezialregelungen.

Letztendlich geht es bei alledem um bewusste Unterrichtsgestaltung.

Unterrichtsentwurf

Für den konkreten Unterricht ist die Erstellung eines Unterrichtsentwurfs die wichtigste Planungskompetenz. Sie werden vor allem anhand dieser Entwürfe beurteilt. Im Laufe Ihres Studiums werden Sie zahlreiche solcher Entwürfe erstellen, in Seminaren, im Praktikum und für weitere Prüfungsleistungen.

Die Theorie, wie sie im Berliner Modell formuliert wird, empfiehlt, zumindest die folgenden Aspekte bei der Planung zu berücksichtigen:

Grafik zur Unterrichtsplanung nach dem berliner Modell

Quelle: Peterßen, Handbuch Unterrichtsplanung, S. 84.

Unterrichtsvoraussetzung

Soziokulturelle Voraussetzungen: In welchem konkreten Rahmen wird der Unterricht stattfinden, aus welchem häuslichen, sozialen und kulturellen Umfeld kommen die Schüler? Was sind die tagespolitische Besonderheiten?

Anthropologisch-psychologische Voraussetzungen: Wer sind die Schüler, Welche Vorkenntnisse haben sie? Aber auch: Wer bin ich, wie stehe ich zu den Schülern und zum Unterricht?

Sachanalyse (Inhalt I)

Hier sollte sich der Lehrer darüber klar werden, ob er den Stoff auch hinreichend durchdrungen hat. Zwar ist jede Sachanalyse bereits auf einen Unterrichtsprozess bezogen, aber die konkrete didaktische Aufbereitung erfolgt erst im nächsten Schritt.

Fachdidaktische Prinzipien

Hierbei geht es nicht um eine Zusammenfassung der gesamten Fachdidaktik, sondern um die Punkte, die für Ihren Unterrichtsentwurf wichtig sind.

Didaktische Reduktion (Inhalt II)

Bei der didaktischen Reduktion geht es um die Transformation von Inhalten in Unterrichtsgegenstände. Dabei sollten didaktische Prinzipien in Zusammenhang mit den Unterrichtsvoraussetzungen berücksichtigt werden.

  • Situationsbezogenheit
  • Handlungsorientierung
  • Wissenschaftsorientierung
  • Beispielhaftigkeit
  • Strukturiertheit

Ziele (Intention) und Kompetenzorientierung

Lehr- und Lernziele sollten klar formuliert werden und vermittelbar sein. Wer seinen Schülern nicht zu jedem Zeitpunkt sagen kann, warum und wozu er oder sie den Unterricht so und so gestaltet, der oder die weiß es vermutlich selber nicht.

Im Rahmen der Veränderungen der staatlichen Bildungslandschaft in den letzten fünfzehn Jahren hat sich ein begrifflicher Paradigmenwandel von der Lernziel- hin zur Kompetenzorientierung vollzogen. Kompetenzen drücken eher als vermeintlich starre Ziele Befähigungen zur Bewältigung variabler Anforderungen und Probleme in bestimmten Handlungsbereichen aus. Die Kernfrage, warum ein Unterricht wie durchgeführt wird, bleibt letztlich dieselbe.

Beispiel: Ich möchte Schülern und Schülerinnen beibringen, wie sich mit Hilfe von Zustandsgraphen endliche Automaten modellieren lassen. Das wäre ein grobes Lernziel. Als feine Ziele ließen sich nun etwa formulieren: (1) Die Schüler_innen kennen alltägliche Beispiele für endliche Automaten. (2) Sie kennen die Bestandteile eines sogenannten Zustandsübergangsdiagramms. (3) Sie können Übergangstabellen für die Zustandsgraphen anfertigen. (4) Sie können Beispielautomaten in diese Modelle übertragen.
Diese Ziele sind fachspezifische Kompetenzen der Informatik (informatisches Modellieren), und je nach methodischer Einbettung (etwa Übungen in Gruppenarbeit) und Kontextualisierung kann das Thema auch prozessbezogen kompetenzorientiert eingebettet werden. So ließen sich soziale Kompetenzen bspw. durch Erarbeitung des Themas in Gruppen oder Problemlösekompetenz durch das Üben des erforderlichen Abstrahierens bzw. Modellierens befördern.

Die Formulierung von Lehr- und Lernzielen entlang inhalts- und prozessbezogener Kompetenzen kann vor allem die methodische Umsetzung strukturieren.

Methode

Methoden sind die auf eine bestimmte Lerngruppe ausgerichtete Aufarbeitung der transformierten Inhalte.

Medium

Der Medienbegriff ist ganz materialistisch gemeint und bezieht sich auf Übungsblätter, Vortragsfolien, Overheadprojektoren und Tafelbilder. Insbesondere diese müssen detailliert vorgeplant und -gezeichnet werden.

Medien sind nicht nur für die Vermittlung des zu Lernenden zentral, sondern auch für die Sicherung der Unterrichtsergebnisse.

Ergebnissicherung

Die Ergebnissicherung gehört als Hauptphase zum Unterricht. In dieser wird sichergestellt, dass Erarbeitetes verinnerlicht, verstanden und nicht vergessen wird - das schließt kritisches Feedback sowie die (transferierende) Anwendung des Gelernten mit ein. Sich über sie speziell Gedanken zu machen, womöglich mit Hilfe einer Checkliste, ist wichtig für die Wahl der Methoden und Medien.

Verlaufsplanung

Mit Hilfe der für gewöhnlich tabellarischen Verlaufsplanung findet die zeitliche Dimension der Planung ihre Berücksichtigung.

Der Unterrichtsverlauf wird meist anhand eines Rasters geplant, in dem die oben genannten Aspekte im zeitlichen Ablauf eingetragen werden. Wie für jede Planung gilt auch hier: Planung ersetzt Chaos durch Irrtum. Von einem Plan darf abgewichen werden, man sollte dann aber genau sagen können, warum und wohin.

Wir wissen alle, dass Unterrichtsentwürfe in der hier geforderten Form nur etwas für Seminarscheine und Lehrprüfungen sind. Es geht auch nicht darum, Sie von der Notwendigkeit permanenter Detailplanung zu überzeugen. Wenn Sie später 6 Stunden pro Tag unterrichten, werden Sie dafür auch nicht die Zeit haben. Doch genau deswegen sollten Sie wissen, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen, worauf Sie besonders achten müssen und wo sie improvisieren können. Nur dann können Sie die Planung im Kopf oder anhand einer groben Skizze ausführen, in der die für Sie wesentlichen Punkte zusammengefasst sind. Nur dann können Sie zur Routinebildung übergehen. Der Weg dahin aber führt über die Bewusstwerdung Ihres ganz persönlichen Unterrichtsstils.

Unterrichtsauswertung

Beschreiben Sie Ihren Eindruck vom Unterrichtsverlauf. Konnten Sie Ihren Plan umsetzen? Wo waren Abweichungen? Wie würden Sie Ihr Verhalten im Unterricht beschreiben? Wenden Sie die Checkliste von Eberhard Lehmann auf Ihren eigenen Unterricht an.

Ebenso wichtig wie die Unterrichtsplanung und -durchführung ist es für einen Lehrer, aus seinen Stärken und Schwächen zu lernen. Der erste Schritt ist eine möglichst distanzierte Selbstwahrnehmung. Hier gilt es, die eigenen Eitelkeiten und Einschätzungen kennen zu lernen und den Umgang mit Ihnen zu üben. Selbstkompetenz ist gefragt. Beginnen Sie bei der Darstellung mit den positiven Aspekten.